Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

Terrasse Casa Mama Gata

Die Terrasse des Restaurants Casa Mama Gata in Castillo del Romeral. Wunderschön vor allem tagsüber.


Am Samstagabend waren wir mal wieder im Casa Mama Gata. Ein Restaurant, in dem man aber auch nur was trinken kann. In dem dann auch ab und an wichtige Fußballspiele am Rand laufen und das vor allem die schönste und windgeschützteste Terrasse des Ortes hat. Im Casa Mama Gata treffen sich die Einheimischen von Castillo del Romeral, manchmal sind es mehr besser betuchte Ausländer aus der Neubausiedlung als Spanier bzw. Canarios. Denn so schön die Terrasse ist, es ist halt ein Restaurant, die Preise für Getränke sind nicht gerade im Unterfeld der Preisskala angeordnet. Achja, sehr gut essen, vor allem Fisch und Paella kann man da auch.

Und ab und an verirrt sich sogar Abends ein Tourist aus dem Süden ins Casa Mama Gata und das Restaurant hat sogar unter den Playa-Einwohnern den einen oder anderen Stammgast. Und ab und an verirren sich so richtige Südländer dahin.

Wie am Samstag. Das Casa Mama Gata war recht gut belegt, uns blieb statt unserem Stammplatz ziemlich weit vorne nur der vorletzte große Tisch zur Promenade. Den letzten Tisch hatte eine Gruppe von Playa-Bewohnern besetzt. Wie man schon am Eingang zur Terrasse mitbekommen durfte, Deutsche. Denn sie hatten die Terrasse des Casa Mama Gatas zumindest von der Lautstärke besetzt und voll im Griff. Vor allem einer, Sigi, hatte eine sehr laute Meinung von allem und philosophierte über Lebensstandards etc. So laut, dass nun sogar die Fische im Meeresschwimmbecken von Castillo del Romeral wissen: Sigi ist ein toller Hecht, der mehrere tausende Euro im Monat verdient und die Vorstellung von nur 3000 Euro im Monat zu leben für ein Leben unterhalb der Armutsgrenze hält.

So weit, so lustig. Unsere Unterhaltungen plätscherten eher so dahin, denn es war nicht so einfach gegen die dargebotene Potenz am Nebentisch mit kultivierten Unterhaltungen über Wetter, Fußball und was sonst in unserer kleinen Runde so anliegt gegen zuhalten. Zumal man da schon etwas weiter war und den Punkt protzen abgehakt hatte um beim Punkt Lästern über Abwesende weiter zu machen. Wir erfuhren gar unglaubliches über diese Personen 🙂 Also, falls ein Hermann hier mitliest, der denkt er habe einen Freund namens Sigi. Vergiss es. Sigi ist nicht dein Freund.

Das Unheil nahm seinen Lauf, als eine Gruppe ca. zehnjähriger spanischer Kinder auftauchte und zu spielen begann. Im Restaurant wurde Kommunion gefeiert und die Kinder, auch wenn sie ob des feierlichen Ereignisses spieluntauglich aufgehüscht waren, wollten auch endlich Spaß haben.

Die ersten bösen Blicke vom playadeutschen Nachbartisch gab es nach dem dritten Durchlaufen der kleinen Gruppe. Immerhin kannte man sich da schon so gut aus, mit den Gebräuchen der dörflichen Ureinwohner Spaniens (Achtung Ironie!!!), das man sich nicht traute gegen die Kinder was zu unternehmen.

Dann entdeckten die Kinder unsere Hund. Einmal den weißen Schäferhundmischling von Hermann, eine alte betagte Dame, und unseren Labrador Tonko. Beide ließen es sich dankbar gefallen von vielen kleinen Kinderhänden getäschelt zu werden. Und genossen die ihnen zustehende Bewunderung.

Das erste Grummeln vom Nachbartisch war zu hören. Wir ignorierten es, die Hunde sowieso und die Kinder verstanden ja nichts (wobei der eine neunjährige Junge immerhin versuchte sein Schulenglisch bei uns anzubringen, aber sehr froh war, als er merkte, dass wir des spanischen zwar eher ohnmächtig als mächtig waren, aber zumindest sprechen konnten. Als die Kinder weitere Kinder holten und die Hunde zu deren Begrüßung dann zum einen aufstanden und unserer dann auch mal freudig bellte, staute sich am Nachbartisch wohl langsam ein richtiges Gewitter auf.

Irgendwann gingen die Kinder und die freundliche Bedienung des Casa Mama Gata fragte am deutschen Tisch mal wieder nach, ob noch was fehlte. Da explodierte Sigi. Donner und Blitze entluden sich auf das unschuldige Haupt von der jungen Frau. Diese hatte Glück, Sigi wähnte sich wohl im Süden und seine Schimpfrede entlud sich im besten Deutsch auf sie. Als echter Südbewohner ist er ein Minimum an Service gewohnt, merkten wir gleich, und zu diesem gehört wohl, dass die einheimische Bevölkerung vor lauter Dankbarkeit darüber, dass sich Mitteleuropäer dazu herablassen ihre kleinen Dörfer zu besuchen und dringend benötigte Devisen, eh Euros, dazulassen, also da kann man ja mindestens wohl Deutsch sprechen.

Tut die einheimische Bevölkerung von Castillo del Romeral in übrigem in einem hohen Prozentsatz. Sie ist aber so intelligent und gibt das nicht immer zu 🙂

Die Bedienung vom Casa Mama Gata allerdings spricht nur ein paar Brocken deutsch, versteht allerdings einiges, aber eher eben Dinge aus dem Bereich Gastronomie und normalen Smal Talk. Warum sollte sie auch mehr können? Reicht völlig.

Es reichte aber nicht um die Wutrede von Sigi zu verstehen. Der schwadronierte lautstark über Hunde im Restaurant. Die wären ja verboten, und es wäre ja unmöglich und überhaupt, da könnte er ja gleich im Tierheim essen. Und das Hunde im Restaurant verboten wären, das wüsste er ganz genau, er kenne sich hier ja aus und es sei eine Zumutung. Etc., etc., etc. Die Wutrede mit immer den gleichen Aussagen zog sich so fünf Minuten dahin. Inzwischen hatte die junge Frau auch Unterstützung erhalten. Diese fragte bei uns nach, worum es ging. Und wir erklärten ihm das. Beide trugen es mit Fassung und versuchten schnellst möglich aus der Gefahrenzone zu kommen. Das Gewitter am Nebentisch flaute dann etwas ab. Ohne bezahlte Blitzableiter machte es wohl nicht ganz so viel Spaß. Und die zu Blitzableitern auserkorenen hatten die Ohren auf Durchzug gestellt, ein freundliches Lächeln aufgelegt und waren zurück zu ihrer Arbeit geflüchtet 🙂

Ronja

Die Ronja, inzwischen 16 Jahre alt und immer noch topfit.

Soviel Glück hatten die anderen drei am Nebentisch aber nicht. Flucht war unmöglich. Offenbar hatte es Sigi geschafft, der gesamten Gruppe den Abend so richtig zu vermiesen. Wir übten uns im laut lästern über den Nebentisch. Weil wir waren inzwischen auch geladen. Wenn ihn so sehr die Anwesenheit der Hunde gestört hat, hätte er ja zu uns mal kurz was sagen können, dann hätten wir den einen Hund, der zwischen unserem und seinem Tisch lag, auch rüber auf die andere Seite genommen. Da aber die eine Frau an dem Tisch, die auch versuchte die Wogen zu glätten, mit diesem Hund dort geflirtet hatte, dachten wir natürlich, die alte Dame stört da nicht. Und das unser Hund mal drei Beller von sich gegeben hat, vor Freude, dass Kinder ihn bewundern. Ja, also, es war ja nicht so, dass er Minuten lang durchgebellt hat. So ein Hundebenehmen hätte uns ja selbst gestört. Und man Kindern ja nicht immer gleich auf die Finger hauen, nur weil sie schlafende Hunde am weiterschlafen hindern. Kinder und Hunde passt halt meist gut, dass den Nachbartisch nichts passt, konnten wir ohne kleinen Hinweis ja nicht ahnen.

Die Situation beruhigte sich dann auch irgendwann. Mann (!, Sigi) kehrte auch zur alten Lautstärke zurück. Und nach ca. 20 Minuten zeigte sich, dass die Zeit bzw. der reichlich konsumierte Sangria wohl vergesslich machte. Wir trauten kaum unseren Ohren, als Sigi schwadronierte, wie schön es doch in diesem Restaurant wäre, man könne ja durchaus wieder kommen. Wir überlegten ganz kurz, ob wir ihn aufklären sollten, nämlich, dass wir sehr häufig da sind und bei uns (aber auch anderen Besuchern des Restaurants) es ganz selbstverständlich ist, dass die Hunde zum Leben dazu gehören und daher fast immer mit von der Partie sind.

So, hier meine Botschaft an Sigi: Nicht-lieber Sigi, das wird dich jetzt schwer treffen, aber du bist im Unrecht (ich weiß, dass hört kein Mensch, der zuvor über die Armutsgrenze von 3000 Euro philosophiert hat gerne und der sich für ein Geschenk Gottes, wenn schon nicht an die Welt, dann doch an das unterentwickelte arme Volk hält). Aber du hast Unrecht. Die Hunde haben kein Kapitalverbrechen begangen. Zum einen weil es Hunde sind und von ihrem gewissenlosen Herrchens und Frauchens in das Casa Mama Gata (was übrigens lustigerweise Haus der Katzenmutter heißt) verschleppt wurden. Wenn waren wir die Bösen, nicht die Vierbeiner. Aber selbst diese Herrchen und Frauchen waren an diesem Abend keine Gesetzesbrecher. Denn in Spanien sind Hunde tatsächlich im Restaurant verboten. Aber das Verbot betrifft den ummauerten Teil des Hauses, in dem sich auch die Küche etc. befindet. Nicht Terrassen. Auf Terrassen sind Hunde in Spanien erlaubt. Und in einigen Häusern, wie eben auch dem Casa Mama Gata als Bereicherung bei Besitzer, Personal und so gut wie allen Stammgästen und eigentlich sogar bei allen wechselnden Gästen beliebt.

Wer also keine Hunde mag hat genau zwei Möglichkeiten: Man gehe rein oder man versucht es mit Kommunikation statt brüllen. Ein kleines Wort hätte genügt und wir hätten den einen Hund auf die andere Seite genommen und wenn der Widerwille gegen Hunde sehr groß gewesen ist (und nett vorgetragen worden wäre) hätten wir sogar zum bei uns eher unbeliebten Tisch am Eingang gewechselt. Und wären damit eine Terrassenlänge weit weg gewesen. Aber auf Brüllen reagieren wir ebenso störrisch wie alte Maulesel. Wir bocken. Gutsherrenart kommt meist nie gut an.

Bevor jetzt jemand denkt, das Haus der Katzenmutter ähnele einem Tierheim oder einer Hundeauffangstation, so ist es nicht. Es kann durchaus mal vorkommen, dass zwei, drei, vier Hunde gleichzeitig anwesend sind. Aber alles gut erzogene Tiere, von denen man eigentlich nie viel sieht oder gar hört, die liegen nämlich alle unter den Bänken oder neben den kleinen Sitzgruppen und pennen. Und freuen sich halt mal, wenn jemand zum bewundern vorbei läuft. Ab und an, wenn sehr wenig los ist, gibt es für die Hunde sogar mal das eine oder andere Highlight. Das eine besteht darin, dass einer der Mitarbeiter dort was aus der Küche springen lässt und das andere darin, dass eine der Katzen, denen das Haus seinen Namen verdankt, quer über die Terrasse spaziert und den Hunden eine lange Nase dreht: Ätschibätsch ihr seid an der Leine, ihr kriegt mich nicht (wobei die eine oder andere Katze schon gelernt hat, den Leinenstatus genauer zu überprüfen). Aber die Katzen lassen sich zum Hunde ärgern nur herab, wenn so gut wie nix los ist. Katzen sind ja nicht blöd 🙂

Wenn ich sehe, dass allerdings viel los ist, bring ich unseren Hund gar nicht erst mit, dann ist er auf seiner Couch zu Hause einfach besser aufgehoben als im großen Trubel. Ich bring ihn dann auch mal schnell nach Hause oder gehe sehr früh. Und wenn ich zum Beispiel sehe, es gibt Tische mit Kindern oder ich sehe jemanden von dem ich weiß, dass er eben Angst vor Hunden hat, dann platziere ich mich und unseren Hund so, dass er möglichst weit weg ist von dieser Person oder den Kindern. Den Kinder finden unseren Labrador meist so niedlich, dass er dann eben keine Ruhe hätte. Also möchte ich die Kinder gar nicht erst in Versuchung führen.

Unser Hund Tonko

Und nein, wenn er gerade im Meer war, dann darf auch unser Hund Tonko nicht mit auf die Terrasse.

Und hätte diese deutsche Gruppe irgendwie kurz anklingen lassen, dass es sie eben stört, wenn beim Essen direkt neben dran ein Hund liegt (der von seiner Position aus noch nicht mal auf den Tisch gucken konnte), dann hätten wir auch an diesem Abend Rücksicht genommen.

Lustig war aber die Struktur der Gruppe. Sigi gab lautstark den Ton an (klar bei mehreren tausenden im Monat, die er so macht). Die anderen hörte man eigentlich eher selten. Die eine Frau, die am Rand saß und beim aufstehen und gehen tatsächlich noch versuchte mit dem einen Hund zu flirten, war wohl beim Gewitter eher auf der Suche nach einem Mauseloch, die war nämlich eher mit Fremdschämen für Sigi beschäftigt.

Ein sehr lustiger Abend. Später erfuhren wir dann auch noch, dass die Gruppe es sich vorab schon fast verscherzt hatte. Schon beim Einlaufen ins Restaurant hatte es wohl etwas Missstimmung gegeben.


One Response to “Wenn die Südbewohner das wilde Umland entdecken oder in Castillo del Romeral einfallen”

  1. Geo

    Sehr gut beschrieben da kann ich nichts hinzufügen…

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