Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

Am Sonntagabend habe ich mir ja das Finale um den Aufstieg in Spanien angeschaut. UD Las Palmas hat zu Hause gegen Cordoba CF gespielt. Das Hinspiel in Andalusien war 0:0 ausgegangen, UD Las Palmas musste gewinnen, ein Remis mit Toren bedeutete wieder ein Jahr Zweitklassigkeit. Wie UD Las Palmas gespielt hatte gefiel mir gut, Anfang der zweiten Halbzeit gab es dann auch den Führungstreffer. Beruhigend war der nicht, denn wie der Kommentator bei Canal + immer mal wieder erwähnte, Cordoba CF fehlte nur ein Tor.

In der Schlussphase hielt UD Las Palmas Cordoba CF durchaus clever auf Distanz bzw. zumindest vom Tor weg. Und so waren auch die drei Minuten Nachspielzeit nicht allzu beunruhigend. In der 91. Minute wollte ich gerade aufstehen, um sicherheitshalber mal die Fenster zu schließen, denn das auch in Castillo del Romeral viele mitgefiebert hatten und sicherlich auch noch jede Menge Feuerwerksrakten aus dem WM-Bestand übrig waren und dazu noch ein nicht ganz Schuss-Fester Hund im Haus wohnt, wollte ich vorbeugen.

Ich blieb sitzen. Denn das war der Moment wo die ersten Chaoten von den Tribünen runter aufs Spielfeld sprangen, kletterten, hangelten. Es wurden immer mehr, direkt an den Rand des Spielfeldes, teilweise darauf. Allen war eine unbeschreibliche Freude anzusehen, gleich gäbe es ja was zu feiern, UD Las Palmas nach zwölf Jahren, davon zwei Jahre in der dritten Liga, zurück im spanischen Fußballoberhaus. Nicht mehr die zweite Mannschaften von FC Barcelona und Real Madrid, nein, die Stars würden nächste Saison wieder persönlich kommen auf die schöne Insel.

Die meisten haben wohl gar nicht verstanden, was sie da gerade anstellten. Natürlich eigentlich waren es Chaoten. Chaoten die feiern wollten, was die gesamte Sache nicht unbedingt besser machte.

Es kam wie es kommen musste. Spielunterbrechung. Knapp zehn Minuten lang. Und während ich denen, die da schon herunter geklettert waren, noch die Unwissenheit zu Gute halten könnte, wenn ich wollte, war das spätestens bei den nachrückenden kletternden Gelben kaum noch der Fall. Man sieht, dass das was die erste Gruppe gemacht hat, großen Ärger gebracht hat. Und statt sich jetzt einfach nur einen ersten Platz in Sprunghöhe zu sichern und eben NICHT mehr herunterzuspringen, wurden es mehr und mehr. Ich glaube, es gibt Schätzungen von 200 Fans im Innenraum des Stadions.

Zwar ließ sich der Schiedsrichter noch mal erweichen und pfiff die letzten 90 Sekunden wieder an. Aber es passierte eigentlich das, was zu erwarten war. Die Spieler von UD Las Palmas standen wohl noch unter Schock. Was vorher so mühelos gelungen war, Cordoba CF wegzuhalten, gelang gar nicht mehr und so führte der zweite Angriff zum Ausgleichstor. Die große Party in Las Palmas fiel damit aus.

Der Schiedsrichter pfiff auch gleich ab. Und das Schiedsrichtergespann bekam gleich Geleitschutz in die Katakomben des Stadions. Ebenso die meisten Spieler.

Wir haben uns an dem Abend und am nächsten Tag dann auch mit Nachbarn unterhalten. Einhellig war man sauer auf die Chaoten. Einhellig war man zudem der Meinung, dass es die verbockt haben. Am Montagabend erzählte mir dann jemand, der auch viel im spanischen Facebook unterwegs ist, dass es wohl jetzt schon Fahndungsfotos von einigen der Springer gibt, nicht alle der anderen Fans wollen das wohl so unkommentiert stehen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass hier nicht die nächste Dummheit am entstehen ist.

Man wäre natürlich jetzt versucht typisch Afrika zu rufen. Aber in der zweiten Liga in Deutschland gab es am Ende der Saison ja auch einen Spielabbruch. Nicht wegen freudetaumelnder Fans sondern wegen Feuerwerkskörper. Und da war ja auch mal das Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin im Mai 2012. Da haben Fans sogar den Elfmeterpunkt vor Abpfiff geklaut. Für Fortuna Düsseldorf blieb die Spielunterbrechung wegen der Fanstürmung des Platzes aber ohne Folgen. Tore fielen in den letzten Minuten nach Wiederanpfiff nicht.

Hier ein Bericht von Thomas Noticias7.eu, der mit den stürmenden Fans weit härter in Gericht geht: Aufstiegspartie zwischen Las Palmas und Cordoba endet in schmachvollem Chaos – wobei schmachvolles Chaos eine gute Beschreibung ist, für das was Sonntag da abging.


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