Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

Mieten in Spanien

November 19th, 2012

In Spanien gibt es ein Mietrecht, dass inzwischen beiden Seiten (Vermieter und Mieter) eigentlich ganz gut gerecht wird. Die Zeiten, in denen Mieter Monatelang die Miete schuldig blieben und Vermieter tatenlos zusehen mussten, sind zumindest inzwischen vorbei. Mieter haben in Spanien aber selbst einige Rechte, vor allem solche, die der Vermieter manchmal nicht ganz so lustig findet (zum Beispiel Vorkaufsrecht).

Aber manchmal nutzen einem Mieter die schönsten Gesetze nichts, wenn der Vermieter irgendwie ziemlich strange ist.

Im Juli haben wir in Maspalomas Sonnenland eine neue Bleibe gefunden. Nichts gegen Castillo del Romeral, aber nach 4,5 Jahren dort wurde es uns mit dem Wind einfach doch zu nervig. Und da die Firma ja ebenfalls im Sonnenland ist, hat es sich ja angeboten, dort auch eine Wohnung zu nehmen.

Gesagt, getan, relativ schnell hatten wir auch eine. Wir waren noch nicht richtig eingezogen, da fing die Vermieterin an, eigentlich wolle sie aber lieber verkaufen und wir sollten doch ihre andere Immobilie nehmen, die würde jetzt auch frei werden und die wäre genauso gut und hätte Garage und Pool etc. Überhaupt Garage. Wir haben den Mietvertrag unterschrieben mit der Vorgabe, dass die Garage am Haus auch noch ein Tor bekommt. Steht auch so drin im Vertrag. Sollte auch garantiert bis zum Einzug gemacht werden. Wurde natürlich nicht gemacht (das verwundert wahrscheinlich auch nur uns). Als die gute Vermieterin nach einem Monat das erste Mal zum Miete kassieren da war hat sie natürlich sonst was versprochen, woran sie sich zwei Tage später schon nicht mehr erinnern konnte. Frei nach dem Motto, bis zur nächsten Mal Miete kassieren fällt mir schon eine andere Ausrede ein.

Zwischendurch mussten wir dann noch eine Hausbesichtigung über uns ergehen lassen. Was wir noch relativ gelassen genommen haben, denn die Vermieterin hat uns nie offiziell in Kenntnis gesetzt, für wieviel sie zu verkaufen gedenkt. Das heißt, wir hätten, wenn sie tatsächlich einen Käufer für die Immobilie gefunden hätte, jederzeit das ganze stoppen können und so tun können, ob wir unser Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen wollten und das ganze damit lang genug verzögern können, um uns was neues zu suchen. Bis dahin, dass wir ja einen gültigen Mietvertrag hatten (wie wir dachten :-)) und der bis September 2013 auf jeden Fall gelaufen wäre, auch wenn ein Käufer Eigenbedarf angemeldet hätte.

Tsja, dann fing die gute Frau an richtig Druck zu machen (oder was sie dafür hielt). Inzwischen hatten wir uns auch die Nota Simpla besorgt, das Haus ist hoch belastet, nicht nur mit Hypotheken und nicht bezahlten Raten sondern auch mit Schulden bei der Seguridad Social etc. Wir sollten also unbedingt in das andere Haus. Das hatten wir uns inzwischen angeguckt, das war nur halb so groß, überhaupt keine Garage, Pool 500 Meter zu laufen, kein bisschen grün, Miniküche. Also überhaupt nichts für uns. Und außerdem ginge das Haus jetzt in die Zwangsversteigerung. Wenn wir darin wohnen bleiben wollten, dann sollten wir ihr das doch jetzt noch schnell abkaufen. Klar, sie hat wohl gehofft, dass wir Panik bekommen und ihr noch eine Anzahlung in die Hand drücken.

Lustig bei dem Gespräch: Nach meiner Aussage, ich ließe mich nicht unter Druck setzen und würde sicherlich nicht in zwei Tagen über den Kauf einer Immobilie entscheiden (zumal ich in drei Tagen auch nie eine Finanzierung bekäme) war die Gesprächstemperatur etwas eisig, zudem ich sie dann ärgern wollte und nach dem Garagentor gefragt habe. Konnte ich mir nicht verkneifen. Als wir dann noch die Copia Simpla auf den Tisch gelegt haben mit ihren ganzen Schulden drin, hat sie ziemlich doof geguckt. War doch sehr lustig das Gespräch.

Mittwoch war sie bei uns, wir haben auf stur geschaltet und Freitag ging das Haus dann in die Zwangsversteigerung und wurde wohl auch vom Hauptschuldner, einer spanischen Bank, ersteigert für 350.000 Euro, war wohl das Mindestgebot (bei 420.000 Euro Hypothek plus noch 90.000 Euro weitere Schulden). Wir hatten natürlich gedacht, dass wir jetzt auch noch notfalls von unserem Vorkaufsrecht gebrauch machen könnten (was wir aber eh nicht wollten, ist zwar ein nettes Haus, aber in einer Anlage und auf der einen Seite gibt es extrem laute Nachbarn), aber da wurden wir von unserer Anwältin, die wir inzwischen nur für unsere Vermieterin – Ex-Vermieterin hatten, eines besseren belehrt: Da die Vermieterin den Mietvertrag sicherlich nicht gemeldet hat und der Vertrag ja erst recht kurz besteht, könnte der Käufer der Immobilie darauf bestehen, dass der Mietvertrag komplett unwirksam ist. Und uns dementsprechend auch rausklagen bzw. irgendwann auch die Zwangsräumung beantragen. Denn das der Mietvertrag nichtig sei, da müsste dann doch erst mal ein Gericht etwas zu sagen. Unsere Vermieterin hatte, als sie uns versuchte zu drängen, doch das Haus zu kaufen, behauptet, wenn die Bank das ersteigere würde diese sofort die Zwangsräumung beantragen und wir würden innerhalb kürzester Zeit auf der Straße stehen (was mir, angesichts dessen, dass wir ja auch einen Hund haben, doch etwas Kopfschmerzen bereitet hat).

Die Versteigerung war im Oktober. Definitiv. Unsere Anwältin hat extra bei Gericht nachgefragt. Unsere Vermieterin ist nicht mehr unsere Vermieterin. Aber die gute Frau stand am 2. November 2012 auf der Matte und wollte Miete. Man glaubt es kaum, aber war so. Worauf wir ihr erklärt haben, sie bekommt von uns keinen Cent mehr. Wobei sie ja auch noch eine Monatsmiete Kaution von uns hat und seien wir ehrlich, die sehen wir ja ansonsten nicht mehr wieder, also ist abwohnen die bessere Alternative.

Letzte Woche ruft die Frau an, sie habe Käufer für das Haus und wir sollten doch gefälligst jetzt sofort da sein, wegen der Besichtigung (8 Uhr morgens angerufen, um 9 Uhr wollte sie auf der Matte stehen). Worauf wir ihr erklärt haben, dass ohne Termin und drei Tage vorher gar nichts geht und überhaupt, was sie denn plane, dass sei doch gar nicht mehr ihr Haus. Wahrscheinlich hofft sie auf eine Anzahlung und der neue Besitzer darf sich dann weiter damit auseinander setzen. Zum Schluss hat sich unsere Ex-Vermieterin mit unserer Anwältin am Telefon angebrüllt (da hat sie dann gesagt, sie würde die Besichtigung für die Bank durchführen, ob die Bank das weiß?). Aber Besichtigung war keine. Und wir ziehen nächste Woche eh aus. Wenn das mit unserem neuen Mietvertrag klappt. Da sind nämlich gerade unsere Anwältin und der neue mögliche Vermieter am diskutieren. Der würde nämlich gerne einen befristeten Mietvertrag machen (wir aber nicht) und das ist in Spanien nur in der Ferienvermietung möglich. Mal gucken ob ich am Wochenende wirklich Kisten packe 🙂 Ansonsten werden wir wohl mal gucken müssen, wer den nun Ansprechpartner für uns ist bei der Bank, die das Haus gekauft hat.

Richtig lustig war ja, unser Nachbar hat uns mal erzählt, dass einige Zeit vor uns in dem Haus zwei Prominente gewohnt hätten und zwar die beiden schwulen Friseure aus dem deutschen Fernsehen. Und neulich musste ich mal zum Friseur und war dann auch im Golden Moments. War lustig, eine dreiviertel Stunde lästern über unsere gemeinsame Exvermieterin.

Unsere Suche nach einer neuen Bleibe war ja auch lustig. Einmal hatten wir beinahe ein Haus. War auch echt super, auch mit Pool (sogar beheizt). Schön groß, hätte alles gepasst. Hatten schon Termin für Vertrag. Da kam die Vermieterin um die Ecke mit sie wolle gerne drei Monate Kaution haben (wäre ok gewesen, das Haus ist ja auch möbliert) aber dazu noch zwölf Monate Mietvorauszahlung. Ne, ich zahl nicht 15 Monate Miete auf einen Schlag nach der Erfahrung mit unserer Ex-Vermieterin. Zumal es ja in Spanien nicht mehr so ist, dass Vermieter nicht zahlende Mieter nicht aus dem Mietobjekt bekommen. Das geht inzwischen recht zügig. Also sind nach jetzigem Stand Mietrecht 15 Monate Sicherheitsleistung doch etwas übertrieben.


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