Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

In Spanien haben die 500 Euro Scheine einen eigenen Spitznamen: Bin Laden – keiner hat je einen gesehen aber es gibt sie. Und es gibt sehr viele davon, mehr als in den anderen europäischen Ländern. Erklärt wird das u.a. mit der Schattenwirtschaft und dem einen oder anderen Schwarzgeldgeschäft, das hier zum Volkssport gezählt wird. Zum Beispiel ist es bei einer Hausverschreibung oft üblich, dass beim Notar eine Summe X gezeichnet wird, in Wahrheit aber zusätzlich noch eine größere Summe an Bargeld fließt (Unterverschreibung).

Jetzt braucht Spanien aber Geld und so ganz doof sind die Bürokraten auch nicht, Schwarzgeld und Schattenwirtschaft bedeutet eben auch weniger Steuereinnahmen. Demzufolge gibt es nun ein neues Gesetz, das Gesetz zur Vermeidung von Steuerhinterziehung Ley 07/2012 vom 29. Oktober 2012.

Das Gesetz hat es ganz schön in sich. Alle Punkte werde ich nicht hier ausbreiten, normale Auswanderer dürften sich für Ratenzahlungen für offene Lohnsteuer kaum interessieren. Aber zwei Punkte betreffen eben auch Auswanderer nach Spanien.

Auslandskonten

Es gibt jetzt wohl neu eine Informationspflicht für Steueransässige in Spanien über Vermögen im Ausland. Wer also in Spanien angemeldet ist und hier auch Steuern zahlt etc. aber nicht auf sein deutsches Bankkonto verzichten möchte, muss dieses Konto nun angeben. Meines Wissens gilt das bereits, wenn jemand Zugriff auf ein Konto hat. Hab ich ein Konto in Deutschland und habe dort meinen Partner als Zugriffsberechtigten eingetragen, dann muss er ebenfalls melden.

Verbot von Barzahlungen über 2.500 Euro in Spanien

Bei Geschäften, bei denen ein Beteiligter als Selbstständiger, Unternehmer, Freiberufler, Firma etc. auftritt, gibt es nun in Spanien ein Verbot von Barzahlungen über 2500 Euro. Die Strafen bei Verstoß gegen dieses Verbot von Barzahlungen betragen 25 Prozent und zwar für Empfänger des Bargeldes ebenso wie für den Zahler. Das ganze betrifft aber nicht nur Bargeldzahlungen sondern auch Zahlungen mit offenem Scheck (also die Teile, bei denen kein Empfänger eingetragen wird) und ebenso Zahlungen mit PayPal (was PayPal wohl zu dieser neuen spanischen Regelung sagen wird?). Paypal gilt ab dem 20. November 2012 als Bargeschäft – jedenfalls in Spanien.

Diese Regelung gilt nur für Geschäfte mit mindestens einem Unternehmer (Firma, Selbstständiger, Autonomo, Freiberufler etc.). Und für Geschäfte mit Nichtresidenten gelten Ausnahmen.

Beispiele für Bargeldgeschäfte in Spanien

Aber wer auf einem Automarkt zukünftig ein Auto kaufen oder verkaufen möchte, sollte sich, sofern der Kaufpreis über 2500 Euro liegt, seinen Gegenüber nun halt genau aussuchen. Ist der Gegenüber ebenfalls als Privatperson unterwegs, dann ist das auch zukünftig kein Problem, denn bei Geschäften unter Privatpersonen gilt die 2500 Euro Regelung nicht. Ist einer von beiden Seiten geschäftlich unterwegs, dann muss wohl auf Barzahlung verzichtet werden. Und sollte man auch. Denn man kann sich ja nie sicher sein, dass die andere Seite nicht vielleicht das ganze als versehentliche Operation bezeichnet, eine Selbstanzeige macht und selbst straffrei ausgeht und man selbst darf dann die 25 Prozent nachzahlen. Interessant hier ist auch, dass das Verbot der Barzahlung beim Autokauf schon unter den 2500 Euro greifen kann: Einigen sich beide Seiten beispielsweise auf 10.000 Euro und soll das Geschäft mit einer Anzahlung bekräftigt werden, dann darf diese ebenfalls nicht als Bargeld fließen, dass der Gesamtbetrag ja über 2500 Euro liegt.

Interessant dürfte es also auch im Weihnachtsgeschäft werden: Für den Liebsten den teuren 3D Smart TV mit Heimkino-Effekt beim Elektromarkt kaufen und bar bezahlen sollte man, wenn das gute Teil über 2500 Euro kostet sein lassen, denn der Elektromarkt ist keine Privatperson.

Im Internet etwas bei einer spanischen Firma bestellen und per Paypal zahlen sollte man sich ab 2500 Euro auch verkneifen. Oder nach Deutschland schicken lassen. Aber dann muss man sich das ja auch wieder irgendwie nach Spanien kommen lassen, vielleicht sollte man sich mit der anderen Firma dann doch lieber auf Überweisung verständigen.

Ausnahmen: Geschäfte unter Privatpersonen sind von dem Verbot von Barzahlungen nicht betroffen. Für Nichtresidenten (bzw. Urlauber) gilt eine Grenze von 15.000 Euro für Bargeschäfte. Wer also in Urlaub in Spanien oder eben auf Gran Canaria ist und bei einem Schmuckladen eine teure Uhr sieht, kann durchaus bar zahlen, wenn der Preis unter 15.000 Euro liegt. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn der Verkäufer eine Bestätigung möchte, dass man wirklich kein Resident ist.

Das Verbot der Barzahlungen in Spanien gilt ab Dienstag, dem 20. November 2012. Wer also noch etwas Bargeld unter die Leute bringen möchte und eh eine teure Anschaffung plante, sollte heute noch zuschlagen. Ab morgen wird es mit Sicherheit schwierig.

Informanten bleiben Straffrei

Wer an einem Bargeldgeschäft teilgenommen hat, dem drohen 25 Prozent der Summe als Strafe. Das gilt für beide Seiten, Käufer und Verkäufer. Wenn eine Seite aber darüber Meldung macht und das Finanzamt informiert, dann bleibt der Informant straffrei. Für diese Selbstanzeige haben beide Seiten jeweils drei Monate Zeit.


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