Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

Nach dem ich extra darauf hingewiesen worden bin, habe ich mir doch mal die Buschtrommel von Mitte Mai besorgt. Da ist ein Leserbrief drin, der ist vom allerfeinsten (sogar mit vollem Namen desjenigen, der den verfasst hat).

Hintergrund: Da er (Vater) den original grünen Zettel mit der NIE-Nummer seiner Tochter laminiert hat, wird dieser grüne Zettel nicht mehr von allen spanischen Stellen anerkannt (das läuft in Spanien unter Urkundenfälschung, ärgerlich, aber sollte man wissen, man kommt ja auch in Deutschland nicht auf die Idee den KFZ-Brief zu laminieren). Also brauchte seine Tochter ein Duplikat dieses Zettels. Diesen gibt es eigentlich recht problemlos bei der zuständigen Nationalpolizei. Aber in diesem Falle wurde halt ein riesiges Drama daraus, denn vor einigen Jahren wurden in Spanien die Bestimmungen verschärft, unter denen man als EU-Bürger die Residencia erhält (die sog. Residencia, erhielt man früher problemlos eben mit der NIE-Nummer, ich will jetzt selbst nicht zu sehr ins Detail gehen, man kann auch eine NIE haben ohne Resident in Spanien zu sein). Einfach so, wie bei uns vor sieben Jahren mit Mietvertrag bei der Gemeinde vorstellig werden und sich da anmelden und mit der Anmeldung dann bei der Polizei aufkreuzen mit einem freundlichen Hier sind wir ist es eben nicht mehr getan.

Wenn man Rentner ist, muss man eine entsprechende Rente nachweisen. Ist man kein Rentner entweder einen Arbeitsvertrag oder entsprechende Barmittel (das ist jetzt die sehr verkürzte Form, das sind aber wohl die im Artikel erwähnten 5000 Euro). Und immer auch eine Versicherung. Ansonsten nix grüner Zettel. Leben und Arbeiten kann man dennoch hier, nur wer arbeitet muss sich auf hohe pauschale steuerliche Abzüge gefasst machen. Als Student muss man nachweisen, dass man studiert und eben wieder eine Versicherung parat haben und eben, dass man sich selbst unterhalten kann, also die oben erwähnten Barmittel.

Als die Tochter ihren ersten grünen Zettel bekommen hat, war also alles noch einfach. Jetzt ist sie allerdings über 18 und irgendwie war man bei der Polizei nun der Meinung, sie als neu eingereiste Erwachsene ohne Eltern zu behandeln. Und verlangte nun alle nötigen Dokumente für Neuankömmlinge. Das ist natürlich mehr als ärgerlich. Und sicherlich kann einen die aus so einem Vorgehen resultierende Bürokratie hier in Spanien schier auf die Palme treiben. Und wenn man den Beamten bei der Polizei dumm kommt, dann kommen die einem auch besonders nett entgegen.

Aber der Autor ist beim Schreiben seines Leserbriefs so richtig in Fahrt gekommen und stellt nette Vergleiche an, es ginge um eine Hetzkampagne gegen Ausländer, vergleichbar mit der Christallnacht. (Original so geschrieben in dem Leserbrief).

Ich nehme mal stark an, das dieser äußerst gebildete Bundesbürger die Reichskristallnacht meint, der Name, unter dem die Novemberpogrome von 1938 in die Geschichte eingingen. Hierbei wurden organisiert und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich unternommen. Bei dieser Reichskristallnacht, die vom 7. bis zum 13. November 1938 andauerte wurden dabei über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört. Danach begann eine Verhaftungswelle von Deutschen, die jüdischen Glaubens waren, ungefähr 30.000 landeten in Konzentrationslagern. Bei der Reichskristallnacht wurden bereits 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben.

Und dieser Briefeschreiber an die Buschtrommel vergleicht das nicht Erhalten eines grünen Zettels, sicherlich gepaart mit einem nicht sehr netten Auftreten der Polizei hier in Spanien mit den Novemberpogromen von 1938.

Spanier, so der Briefling, dürften übrigens Christallnacht, Deutsche eben nicht. Da darf ich ihn aber auch aufklären: Mord ist auch in Spanien strafbar. Und das was die Christallnacht war, nämlich der Auftakt zum Genozid, auch.

Da fehlen mir schier die Worte.

Später regt er sich noch auf, dass irgendwelche Marokkaner ihre grünen Zettel recht schnell erhalten haben. Warum ist ihm auch klar, das liegt sicherlich daran: Eigentlich verständlich, wenn man bedenkt, dass Spanien nach 750 Jahren Fremdherrschaft durch die Mauren immer noch einen bestimmten Hang zu dieser Seite verspürt, (ein Stück Heimat) als sogenannten Hingezogenheit zum Ursprung, nur, was macht dann Spanien dann in Europa?

Ich frag mich eigentlich, was dieser Rentner hier in Spanien will???

Übrigens, die Maurenherrschaft über Spanien, wurde 1492 mit Ende der Reconquista und nach vielen blutigen Kämpfen von Königin Isabella von Kastilien und König Ferdinand von Aragon beendet. Die Mauren, die in Spanien (das es da so noch gar nicht wirklich gab sondern erst entstand), bleiben wollten, mussten zum Christentum übertreten. Und da man gerade dabei war, wurden auch alle Juden gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder eben das Land zu verlassen. Und ein paar Jahre später war das dies den allerchristlichen spanischen Herrschern auch nicht mehr genug. Auch Conversos bzw. Neue Christen mussten das Land verlassen ….

Ich nehme mal an, dass die Marokkaner einfach wussten, welche Papiere die Polizei sehen will und daher besser vorbereitet waren als der deutsche EU-Rentner.

Achso, die Bestimmungen für das Beantragen der Residencia wurde 2007 per Königlichem Dekret geändert. Aber der Elefantentöter, wie in dem Leserbrief geschrieben, darf in Spanien, obwohl Monarchie, keinesfalls Gesetze erlassen, wie ihm beliebt. Das macht dann immer noch das spanische Parlament und nicht der König. Der unterschreibt das Gesetz dann nur. Richtig ist allerdings, dass sich König Juan Carlos vor zwei Jahren bei der Elefantenjagd in Afrika hat erwischen lassen. Was für ihn mehr als peinlich war und längst nicht alle Spanier fanden das gut, wobei das auch wirtschaftliche Gründe hatte und weniger die, das hier alle Elefanten so toll finden, aber auch das wurde zur Sprache gebracht, seinne WWF Vorsitz in Spanien war er jedenfalls los.

Residencia in Spanien

Seit 2007 dürfen sich in Spanien nur noch EU-Bürger länger als drei Monate aufhalten, die hier entweder berufstätig sind, oder aber über ausreichende Mittel zum Bestreiten des Lebensunterhaltes sowie Krankenversicherungsschutz verfügen. Bis 2007 reichte ein ausgefülltes Formular, ein EU-Ausweis, etwas Kleingeld für die Beantragung, eine Anmeldung bei der Gemeinde und ab und an auch ein Passfoto (zumindest auf Gran Canaria). Ziel der Neuregelung ist es, zu verhindern, dass EU-Ausländer dem spanischen Gesundheitswesen zur Last fallen. Das EX 18 ist übrigens das neue Formular, mit dem man die Residencia beantragt. Kein Beschwerdeformular.

Hier mal die Url zu dem Leserbrief: Leserbrief Buschtrommel Seite 30
Heute hielt ich dann auch die neue Info Tip Sur in den Händen. Da beschwerte sich der gleiche Leserbriefschreiber, dass es die Buschtrommel gewagt hat, seinen Leserbrief abzudrucken … Irgendwie kann man es Deutschen im Ausland wohl nie recht machen. Mal ist es zu heiß, mal zu kalt, mal zu viele Ausländer, mal … lassen wir das.

Er suche jetzt jemanden, der seinen Leserbrief in der Buschtrommel ins Spanische übersetze, um seinen Ärger bei der Polizei zu verringern. Also, wenn ich seinen Leserbrief so lese, sollte er den besser nicht ins Spanische übersetzen lassen. Immerhin gibt er darin zu die Kommissarin verunglimpft zu haben. Und bittet darum, von einem Disziplinarverfahren gegen sich abzusehen.

Übrigens, laut Wikipedia ist das Das Disziplinarverfahren ist ein Verfahren, in dem ein mögliches Dienstvergehen von Beamten, Richtern oder Soldaten geprüft und gegebenenfalls sanktioniert wird. Rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Bundesdisziplinargesetz (BDG) bzw. die für Landesbeamte geltenden jeweiligen Länderbestimmungen. ….

Übrigens: Wie es in den Wald hineinruft …


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