Leben auf Gran Canaria

Leben und arbeiten als Auswandererin auf Gran Canaria

Im Moment ist es auf Gran Canaria eigentlich sehr ereignisarm. Ok, in Castillo del Romeral ist gerade das Patronatsfest, am Samstag mit der Einschiffung der Jungfrau. Aber ansonsten, 10 Sekunden Regen am Stück mutieren hier schon zum Großereignis.

Aber es wäre nicht Gran Canaria, wenn nicht auf bestimmte Bevölkerungsgruppen absoluter Verlass wäre, was das Potential betrifft, meinen Blutdruck um 3 Punkte zu erhöhen. Nämlich die Gruppe der Auswanderer, die nix zu tun hat und sich in Gruppen zusammen rottet, inzwischen gerne bei Facebook.

Dafür muss ich aber ein wenig ausholen: Wer auswandern möchte, braucht Geld. Den nach Spanien zu kommen, um sich in eine soziale Hängematte zu legen, das klappt nicht. Schon mangels einem vergleichbarem Sozialsystem mit dem in Deutschland. Wenn man also keine Rente oder Pension bekommt, im Lotto gewonnen hat, Ersparnisse sein eigen nennt, oder vom Unterhalt des Ex-Mannes leben kann, muss man wohl arbeiten.

Wenn man keinen wirklich gefragten Beruf sein eigen nennt und kein Spanisch kann, wird man dann meist Helfer oder Bedienung oder landet in einem Callcenter. Wenn man Spanisch kann, sieht die Auswahl an Jobs etwas besser aus, aber spätestens wenn es an die Bezahlung für eine Sechs-Tage-Woche geht, wird man Tränen in den Augen haben.

Einige Glückliche haben sich ihre Arbeit daher gleich mitgebracht und haben weiterhin hier Kunden oder Projekte und arbeiten eben in Spanien bzw. auf Gran Canaria. Dank Telefon und Internet ist das ja möglich. Manch einer hätte es auch gerne so gut und überlegt sich eben, hm, Geld verdienen im Internet, das klingt ja einfach, das mache ich auch und bastele mir eine Gran Canaria Seite, um damit dann vor Ort Touristen zu überzeugen, dass ich Ahnung von der Insel habe, um denen dann z.B. Touren anzubieten. Oder ich versuch es gleich ohne Umwege und verdiene mir meine Taler übers Internet.

Also wird eine Seite erstellt. Dabei wird dann festgestellt: Mist, die Seite braucht Inhalte, also mindestens Text, weil das liebt Google, und ein paar Bilder für die Besucher wären auch nicht schlecht. Zweite Erkenntnis: Mist, ich kann ja gar nicht schreiben, ich hab ja keine Ahnung worüber, ich war ja noch nie auf Gran Canaria.

Was macht der Neunmalkluge nun? Er fängt damit an, was er später als mühselige Arbeit bezeichnen wird und fängt an zu klauen. Er klaut einen Text da, einen dort und da noch die Bilder dazu. Mal macht er es raffiniert, er klaut hier den Text und da die Bilder. Dabei klaut er auch alte Sachen (was mich sehr amüsiert hat) und es passieren ihm gar nicht so viele Fehler. Von 20 geklauten Bildern hat er nur zwei nicht umkopiert, nur bei zweien hat er sie noch direkt von unseren Webseiten gezogen. Und nur bei einem hat er vergessen, die internen Links zu eliminieren. Also gründlich beim Klauen von geistigem Eigentum anderer war er schon.

Dann braucht er ja auch noch Kunden. Also geht er nach Facebook, macht dort eine Gruppe über Gran Canaria auf und füllt diese mit anderen Usern und profiliert sich dort, dank seiner guten Gran Canaria Seite, als Gran Canaria Kenner. Für die von anderen Seiten geklauten Beiträge erhält er auch viel Lob, denn die Inhalte und Bilder sind ja auch gut. Langsam hält er sich auch wirklich für einen tollen Hecht, der ja so viel Arbeit in seine Seite gesteckt hat und klopft sich, schließlich werden es immer mehr Fans oder Anhänger in seiner Gruppe, selbst auf die Schulter, bald kann der Rubel rollen, bald wird der erste bei ihm buchen.

Tsja, man glaubt es kaum, auf Facebook gibt es aber auch Menschen, die andere Seiten kennen und eben nicht nur seinen Blog sondern auch andere Blogs, Seiten, Portale. Und denen fällt irgendwann auf, das sie das, was sei auf seiner Seite gelesen haben, woanders her kennen. Sie recherchieren, suchen und schreiben dann den Original-Blog Betreiber auch an. Ob er denn wisse, dass seine Inhalte auf der und der Seite auch veröffentlicht werden.

Das war am Samstag morgen. Wir haben uns dann das Machwerk dieses Gran Canaria Auswanderers dann mal zu Gemüte geführt. Wir haben sogar schon geguckt wo er wohnt (paar Straßen weiter, seit zwei Wochen oder so zum zweiten Mal auf der Insel, beim ersten Mal war wohl irgendwann das Geld alle). Und haben dann die Seite analysiert. 50 Artikel, 10 oder so auf unseren Seiten geklaut, einen Artikel hat er sogar von einer Seite geklaut, wo ein Anwalt dahinter steckt. Auch die anderen Artikel sind von anderen Webseiten entnommen. Bilder auch, einige sogar aber legal (das spanische Königshaus hat eine Pressemappe, auf der man tatsächlich Fotos von Familie König zur eigenen Verwendung im Kontext mit dem Königshaus bekommt).

Ich glaub das einzig selbst geschriebene war unten immer, die Angabe, dass er der Autor sei.

Am Samstag haben wir noch nichts gemacht. Nur ein wenig recherchiert. Am Ende der Recherche war klar, zu holen ist bei dem nix, also Anwalt auf dem Hals hetzen wäre nur teuer geworden, außerdem hätte es mir zu lange gedauert. Im Impressum steht noch die deutsche Adresse, wo schick ich das Schreiben dann hin? Dorthin wo sein grünes Auto mit deutschem Kennzeichen steht? Oder doch an die deutsche Adresse. Dauert mir zu lange.

Also haben wir alle Beweise gesichert. Noch ein paar andere Menschen gebeten, auf ihren Rechnern ebenfalls Sicherungskopien abzulegen und ihn dann angeschrieben.

Zurück kam eine höchst devote Email mit dem Eingeständnis, dass das Müll war, was er getan habe und dem Schuldeingeständnis, dass er auch wisse, dass das illegal ist (wie doof kann man denn sein, auch noch den Vorsatz zuzugeben???). Er würde selbstverständlich die Inhalte runter nehmen.

Wir sind ja nett, haben ihm aber nur geschickt, wo er bei uns geklaut hat. Da hat er wohl nicht mehr durchgeblickt, eine halbe Stunde später war sein Blog zumindest frei von allen geklauten Inhalten bzw., was das gleiche ist, der Blog war leer.

Eigentlich wäre damit der Fall für uns erledigt gewesen. Inhalte sind raus aus dem Netz, Probleme mit Doppeltem Content kann es also nicht mehr geben. Aber es geht ja noch weiter.

Ich selbst hab ja kein Facebook, bzw. ich hab zwar einen Account, das letzte Mal dort online war ich aber glaub ihm März. Aber inzwischen haben wir natürlich auch Einblick in seine Facebook-Gruppe.

Dort hat er dann angefangen rumzuheulen. Seine monatelange (sein Blog existierte seit April oder Mai) mühevolle Arbiet wäre ihm von Neidern kaputt gemacht worden. Da hätten sich Menschen beschwert, die ihm seine schöne tolle Seite neiden, und sich beim Blog-Betreiber (ein Freehoster mit Sitz an Deutschland, wir haben den gar nicht angeschrieben, das wäre Option zwei für Montag gewesen, wenn er heute nicht reagiert hätte, wir nehmen also an, dass es noch einen Neider außer uns gibt) über ihn und seine schöne, tolle, einzigartige Seite beschwert und dieser hätte ihn gezwungen seine tolle, überragende Arbeit vom Netz zu nehmen.

So weit, so gut. Ich habe eigentlich als ich diesen weinerlichen Post in Facebook von ihm gelesen habe, damit gerechnet, dass ihn einer aus seiner Facebook Gruppe mal fragt, ob er es wirklich für normal hält, Inhalte zu klauen. Und ob ihn vielleicht mal jemand fragt, ob er denjenigen nicht auch verstehen kann, wenn sich dieser die Arbeit macht, etwas recherchiert und dann fest stellt, dass es faules Gesocks gibt, das nicht selbst recherchiert und nur klaut, das derjenige dann sauer ist?

Ne. Nix da. Schwarmintelligenz einer Gruppe eben:

Der wurde in seiner Facebook-Gruppe bemitleidet! Ernsthaft. Ihm wurde Trost zugesprochen. Er solle sich nicht grämen, wenn jemand eine schöne Seite habe, gäbe es immer Neider, die ihm seine tollen Inhalte nicht gönnen würden. Und es wäre ja so schade um seine tollen Inhalte und die viele Arbeit.

Ja, hallo, warum sollten wir den neidisch auf seine Inhalte sein? Wir hatten die Inhalte, Bilder doch selbst, waren ja unsere. Warum soll ich den neidisch darauf sein, dass jemand was von mir gestohlen hat? Und die Inhalte gibt es doch noch, aber nicht mehr bei ihm, sondern bei all denjenigen (und wir waren nur zwei von einigen), die die Inhalte mal erstellt haben.

Und hier muss jetzt zwangsweise ein Gleichnis her:

Ich mein, wenn mir mein Nachbar das Auto klaut, bin ich doch auch nicht neidisch darauf, dass der nun einen Mercedes fährt. Ne, ich geh hin und will mein Auto wiederhaben. Und wenn meinem anderen Nachbarn das Auto geklaut wird, und er zeigt den Dieb bei der Polizei an, sag ich doch nicht zum Dieb: Du, mach dir nix draus, der ist nur neidisch, weil du jetzt ein schönes Auto hast, und er nicht. Aber du bist toll, er ist doof. Er hätte ja schließlich selbst auf die Idee kommen können, ein Auto zu klauen.

Ich bin ja immer noch überlegen, was ich asozialer finde: Das jemand mir Inhalte klaut und heult, wenn er auffliegt. Oder, dass es Menschen gibt, die mir einen schlechten Charakter unterstellen, weil ich es nicht toll finde, beklaut zu werden.

Menschen gibt es….

Ich bin ja mal gespannt, wann uns der Typ hier, der Ort ist ja klein, das erste Mal über den Weg läuft…. Ich werde dann wahrscheinlich einen Lachkrampf kriegen. Wie er aussieht wissen wir ja, auf seinen Blog hat er ja ein Foto von sich auf jeder Seite gehabt, so selbstverliebt war er in sein zusammengeklautes Machwerk. Köstlich. Während er in seiner FB-Gruppe Gran Canaria weiter Stimmung gegen uns bösen Menschen machte, kamen lustigerweise noch zwei devote Emails bei uns an.

Wobei ich mir sicher bin, er wird wieder klauen. Nur wird er dann gucken, das er wo klaut, wo er nicht gerade hinzieht. Ich mein, das ist so, wie wenn ich meinem direkten Nachbarn das Auto klaue, der weiß dann eben sofort wo es ist, klau ich im Nachbarort, dann kann ich doch hoffen, ein paar Tage länger mit dem Auto rumzufahren … So ein Verhalten würde zwar nicht von einem ehrlichen Charakter aber zumindest von etwas Lebensintelligenz zeugen 🙂


One Response to “Auswanderer … Nicht immer die gesellschaftliche Oberschicht”

  1. Leben auf Gran Canaria » Blog Archive » Content Dieb nervt

    […] Moment nervt uns ja so ein Content Dieb, ich habe schon mal darüber berichtet. Nach dem der Kerl sich nach einer Email von uns erst einsichtig gezeigt hat, um dann in seiner […]

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